Unterwegs zu den Sternen (Teil 1)

Einsam ziehen zwei Raumschiffe am Rande des Sonnensystems ihre Bahnen. Als erste Botschafter der Menschheit schicken die amerikanischen Planetensonden Voyager 1 und 2 sich an, unsere kosmische Heimat zu verlassen. Die Erde ist bereits zu einem unscheinbaren, blassblauen Pünktchen geworden, kaum auszumachen neben der ebenfalls winzigen Sonne, die gleichwohl noch heller leuchtet als die anderen, viel weiter entfernten Sterne.

Auf dem blassblauen Pünktchen, über 15 Milliarden Kilometer von den Sonden entfernt, lauschen die Forscher der Nasa den immer schwächer werdenden Signalen der fernen Weltraumreisenden. Siebzehn Stunden brauchen die Funksignale von Voyager 1, vierzehn Stunden jene von Voyager 2, um die großen Antennen des „Deep Space Network“ der Nasa zu erreichen. Die Signale reisen mit Lichtgeschwindigkeit durchs All - 300.000 Kilometer legen sie in jeder Sekunde zurück. Etwas mehr als eine Sekunde brauchen sie bis zum Mond, acht Minuten bis zur Sonne. Die Funkstrecke von den Voyagers zur Erde beträgt also mehr als das Hundertfache der Entfernung Erde-Sonne. Und Tag für Tag entfernen sich die Sonden mit Geschwindigkeiten von rund 60.000 Kilometern pro Stunde weiter von ihrem Heimatplaneten – in jedem Jahr legen die Raumfahrzeuge etwa das dreieinhalbfache des Abstands der Erde von der Sonne zurück.

Die Reise der beiden Raumfahrt-Oldtimer begann 1977 und sollte ursprünglich nur zu den beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn führen. Schon Mitte der 1960er Jahre hatten bei der Nasa Planungen für Missionen zu den äußeren Planeten des Sonnensystems begonnen, die eine günstige Stellung der Himmelskörper Ende der 1970er Jahre ausnutzen sollten. Um auch im Falle einer katastrophalen Panne auf der sicheren Seite zu sein, ließ die amerikanische Raumfahrtbehörde gleich zwei nahezu baugleiche Sonden bauen. Die Nasa-Experten rechneten mit einer Lebensdauer der Voyagers von fünf Jahren – doch sie erwiesen sich als weitaus robuster und übertrafen alle Erwartungen.

Die Sonden lieferten fantastische Bilder von Jupiter, Saturn und ihren unzähligen Monden, an denen sie in den Jahren 1979 bis 1981 vorbeiflogen. Die Planetenforscher konnten gewaltige Stürme in der Atmosphäre des Jupiter beobachten, entdeckten rätselhafte Strukturen in den Ringen des Saturn, fanden Hinweise auf einen tief unter dem kilometerdicken Eispanzer des Jupitermondes Europa verborgenen Ozean aus Wasser und vieles mehr.

Der gute Zustand der Sonden nach der erfolgreichen Erfüllung der primären Missionsziele weckte den Hunger nach mehr. Aus der Ferne wurden die Bordcomputer umprogrammiert. Die Planeten standen günstig - für Voyager 2 wurde aus der ursprünglichen Zwei-Planeten-Tour nun eine Reise zu gleich vier fernen Welten. Als erstes Raumfahrzeug erreichte sie am 24. Januar 1986 den Uranus und dreieinhalb Jahre später, am 25. August 1989, den Neptun.

Voyager 1 folgte unterdessen einem anderen Pfad. Kurzzeitig hatten die Nasa-Forscher überlegt, die Sonde durch einen engen Vorbeiflug an Saturn auf einen Kurs Richtung Pluto zu katapultieren. Schließlich entschieden sie sich jedoch für eine aus damaliger Sicht wissenschaftlich wertvollere und zudem weniger riskante Option: Im November 1980 passierte Voyager 1 Titan, den größten Mond Saturns. Die Anziehungskraft des Trabanten warf die Sonde dabei nach Norden unter einem Winkel von 35 Grad aus der Bahnebene der Planeten heraus – auch das ein Novum in der Raumfahrtgeschichte. Weitere Planeten waren damit für die Sonde nicht mehr zu erreichen. Für Voyager 1 wurde der Weg zum Ziel: Als erste Raumsonde sollte sie die Schutzzone unseres Sonnensystems, die so genannte Heliosphäre, verlassen. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!