Größte dreidimensionale Karte des Universums

Katalog enthält über 200 Millionen Galaxien - und erlaubt Rückschlüsse auf Struktur und Entwicklung des Kosmos

Berkeley (USA)Es ist die gewaltigste astronomische Datensammlung, die es je gab: Ein internationales Forscherteam hat jetzt die Positionen von über 200 Millionen Galaxien und die Entfernungen von etwa 1,35 Millionen Galaxien, sowie über 100.000 Quasaren veröffentlicht. Die Astronomen haben daraus die bislang größte dreidimensionale Karte des Universums erstellt. Das Projekt „Sloan Digital Sky Survey III“ begann 2008 und läuft noch bis 2014 – und soll bis dahin die Entfernungen von 1,5 Millionen Galaxien und 160.000 Quasaren bestimmen. Die Wissenschaftler erhoffen sich aus den Daten unter anderem Rückschlüsse auf die physikalische Natur der geheimnisvollen Dunklen Materie und Dunklen Energie. Diese rätselhaften Substanzen bestimmen die Struktur und die Entwicklung des Kosmos.

„Dunkle Materie und Dunkle Energie sind zwei der größten Rätsel unserer Zeit“, sagt David Schlegel vom Lawrence Berkeley National Laboratory in den USA, der das Projekt SDSS-III leitet. „Wir hoffen, dass unsere neue Karte des Universums dabei helfen kann, diese Geheimnisse zu lösen.“ Etwa 80 Prozent der Materie im Kosmos ist dunkel und besteht aus bislang unbekannten Elementarteilchen – bestimmt aber mit ihrer Schwerkraft über die Bildung von Strukturen wie Galaxienhaufen und Galaxien. Die Dunkle Energie wiederum dominiert mit 72 Prozent den Energiehaushalt des Kosmos und treibt die Expansion des Weltraums an – doch die Physiker wissen bislang nicht, was diese Energie ist.

Insgesamt sind am SDSS-III 226 Astronomen aus aller Welt beteiligt. Die Forscher konzentrieren sich bei ihrer Durchmusterung des Himmels vor allem auf zwei Arten von Objekten: besonders große und helle Galaxien, sowie Quasare. Die hellen Galaxien sind zumeist die zentralen Objekte von Galaxienhaufen und liefern den Wissenschaftlern so das Gerüst der kosmischen Strukturen. Quasare sind supermassive Schwarze Löcher in den Zentren großer Galaxien, die gewaltige Strahlungsmengen aussenden. Dadurch sind sie über weitaus größere Entfernungen hinweg sichtbar als die Galaxien selbst. Im Rahmen ihres Projekts können die Astronomen bis zu sieben Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien und bis zu zwölf Milliarden Lichtjahre entfernte Quasare vermessen.

„SDSS-III ist bereits jetzt der meistbenutzte Himmelskatalog“, freut sich Schlegel, „er übertrifft sogar die von den Keck-Teleskopen und dem Weltraumteleskop Hubble erstellten Kataloge.“ Der Forscher betont, dass die Daten der Himmelsdurchmusterung für eine Vielzahl wissenschaftlicher Anwendungen von Nutzen sind – von der Untersuchung der Entwicklung von Sternen bis hin zur Erforschung der Quasare.

Bildquelle: SDSS-III

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!