Ein Schwarzes Loch im Orionnebel?

Bonn - Der Orionnebel – eines der bekanntesten und schönsten Himmelsobjekte – beherbergt möglicherweise ein Schwarzes Loch mit der 150-fachen Masse unserer Sonne. Das zeigt die Analyse der Entwicklung des zentralen Sternhaufens der jungen Sternenentstehungsregion durch ein Team tschechischer und deutscher Astronomen. Das Schwarze Loch ist demnach durch eine Kettenreaktion von Stern-Kollisionen in der Entstehungsphase der Region entstanden.

„Die daraus resultierende geringe Zahl von massereichen Sternen in dem Haufen ist einer der wichtigen Punkte, bei denen unser Modell mit den Beobachtungsdaten übereinstimmt“, schreiben Pavel Kroupa vom Argelander Institut für Astronomie in Bonn und seine Kollegen. Dank seiner – astronomisch gesehen – geringen Entfernung von etwa 1200 Lichtjahren ist der Orionnebel eine der am besten untersuchten Sternentstehungsregionen. Trotzdem sei, so Kroupa, der morphologische und dynamische Zustand des rund drei Millionen Jahre alten Sternhaufens im Zentrum der Region bislang nicht befriedigend erklärt.

Die drei Forscher haben deshalb umfangreiche Computersimulationen durchgeführt, um die Geschichte des Haufens zu rekonstruieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sterne bei ihrer Entstehung zunächst erheblich dichter beieinander gestanden haben. Dadurch waren enge Vorübergänge wesentlich häufiger. Diese Passagen hatten zwei dramatische Konsequenzen: Viele massereiche Sterne wurden aus dem Sternhaufen heraus katapultiert – während die verbleibenden massereichen Sterne in einer Kettenreaktion von Zusammenstößen zu einem Objekt mit etwa der 150-fachen Sonnenmasse verschmolzen.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass dieser Superstern sofort zu einem Schwarzen Loch kollabiert sei, so die Forscher. Die Existenz eines solchen Schwarzen Lochs könne auch die überraschend hohen Geschwindigkeiten der Sterne im Sternhaufen des Orionnebels erklären. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent, so Kroupa und seine Kollegen weiter, sei das Schwarze Loch Mitglied eines Doppelsystems. Dann könne es sich sporadisch durch den Einfall von Materie oder durch die periodische Bewegung seines Partnersterns verraten. Beobachtungen des Schwarzen Lochs im Orionnebel könnten neue Erkenntnisse „über die Evolution sehr massereicher Sterne und ihrer Verschmelzungsprodukte liefern, über die wir bislang nur wenig wissen“, schreiben die Wissenschaftler.

Bildquelle: Nasa/CfA/Luhmann

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!