Bizarrer Kugelsternhaufen stellt Astronomen vor ein Rätsel

Pasadena (USA) - Kugelsternhaufen bestehen aus Hunderttausenden bis Millionen von Sternen, die alle etwa zur gleichen Zeit aus einer großen Gaswolke entstanden sind. Doch NGC 2419 fällt aus dem Rahmen: Er enthält zwei Arten von Sternen, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich unterscheiden. Das zeigen Beobachtungen amerikanischer Astronomen mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii. Möglicherweise war NGC 2419 ursprünglich kein Kugelsternhaufen, sondern eine eigenständige Zwerggalaxie, schreiben die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal“.

„Die eine Gruppe von Sternen ist identisch mit Sternen in typischen Kugelsternhaufen“, so Judith Cohen und Evan Kirby vom California Institute of Technology. „Die zweite Gruppe, zu der etwa ein Drittel der Sterne dieses Haufens gehört, ist außerordentlich seltsam.“ Denn diese Sterne enthalten nur ein Achtel so viel Magnesium, dafür aber sechsmal so viel Kalium wie die normalen Sterne von NGC 2419. Und dies sind nur die auffälligsten Unterschiede – die Forscher stießen auch bei vielen weiteren Elementen auf Differenzen zwischen den Populationen.

NGC 2419 ist ohnehin ein ungewöhnliches Objekt: Er ist sehr weit vom Zentrum der Milchstraße entfernt und außerordentlich hell. Erste spektroskopische Untersuchungen in den 1990er Jahren ließen jedoch keine chemischen Auffälligkeiten erkennen. Doch vor einem Jahr stieß Cohen bei Messungen mit dem hochauflösenden Spektrographen des Keck-Teleskops auf einen Stern mit ungewöhnlichem Magnesium- und Kalium-Gehalt in dem Kugelsternhaufen. Die Astronomin empfand die Existenz eines solchen Sterns in NGC 2419 als „bizarr“ und machte sich zusammen mit Kirby auf die Suche nach weiteren ungewöhnlichen Objekten in dem Haufen.

Die beiden Forscher wurden fündig: Sie fanden vier weitere Sterne mit ungewöhnlicher chemischer Zusammensetzung. Die neuen Beobachtungen bestätigen damit, dass NGC 2419 ein völlig aus dem üblichen Rahmen fallender Kugelsternhaufen ist. Cohen und Kirby äußern die Vermutung, dass es sich bei dem Objekt gar nicht um einen Kugelsternhaufen, sondern um den Kern einer früheren Zwerggalaxie handelt. In Galaxien nämlich entstehen nicht alle Sterne gemeinsam – und die ungewöhnlichen Sterne könnten durch Supernovae mit schweren Elementen angereichert worden sein. Nicht alle Element-Häufigkeiten lassen sich so auf Anhieb erklären, gestehen die Forscher allerdings – weitere Untersuchungen seien nötig, um das Rätsel von NGC 2419 zu lösen.

Bildquelle: National Astronomical Observatory of Japan