Alle sechs Sekunden eine Kometenkollision

Szenario erklärt rätselhafte Gaswolke um den jungen Stern 49 Ceti

Los Angeles (USA) - Der 192 Lichtjahre entfernte Stern 49 Ceti ist von einem gewaltigen Ring aus Kometen umgeben, in dem es etwa alle sechs Sekunden zu einem Zusammenstoß kommt. Mit diesem Szenario lösen zwei amerikanische Astronomen ein seit 17 Jahren ungeklärtes Problem: Der Stern ist von einer ungewöhnlichen Wolke aus Kohlenmonoxid umgeben. Die Kometenkollisionen setzen das Gas frei, so die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal“.

„49 Ceti ist vermutlich 40 Millionen Jahre alt – und die Frage ist, wie kann ein in jeder anderen Hinsicht normaler Stern in diesem Alter noch so viel Gas in seiner Umgebung haben?“, fasst Benjamin Zuckerman von der University of California in Los Angeles das Problem zusammen. Junge Sterne sind von rotierenden Scheiben aus Gas und Staub umgeben, in denen Planeten entstehen können. Aber bereits rund zehn Millionen Jahre nach der Entstehung eines Sterns ist seine Strahlung stark genug, um das Gas aus dem jungen System herauszublasen. Bei seinen Beobachtungen stieß Zuckerman jedoch 1995 auf eine dichte Kohlenmonoxid-Wolke um 49 Ceti.

Zusammen mit seinem Kollegen Inseok Song präsentiert er nun eine Lösung für das Rätsel. Danach ist 49 Ceti von einem Ring aus Kometen umgeben, der dem Kuiper-Gürtel in unserem Sonnensystem ähnelt, aber etwa die 4000-fache Masse enthält. Bei einem typischen Durchmesser von ein bis zwei Kilometern ergibt das eine Gesamtzahl von mehreren hundert Billionen Kometen, so die Forscher „Und diese jungen Kometen enthalten mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viel mehr Kohlenmonoxid als die alten Kometen bei uns“, sagt Zuckerman.

Die Berechnungen von Zuckerman und Song zeigen, dass es in einem solchen Kometen-Gürtel alle sechs Sekunden zu einer Kollision kommt – eine Zahl, die selbst die beiden Astronomen überrascht hat: „Mit dieser gewaltigen Rate haben wir nie und nimmer gerechnet.“ Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Prozess bereits seit rund zehn Millionen Jahren anhält und für Nachschub an Gas sorgt. Inzwischen wurde bei einem weiteren Stern – dem 235 Lichtjahre entfernten HD 21997 – eine ähnliche Gaswolke entdeckt. Auch für diesen 30 Millionen Jahre Stern sehen Zuckerman und Song ihr Szenario als beste Erklärung des Phänomens.

Bildquelle: Nasa/JPL/Caltech

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!