Das bislang jüngste Sternenbaby

Der Protostern L1527 IRS ist jünger als 300.000 Jahre und erzeugt seine Energie noch durch den Zustrom von Materie aus der umgebenden Gaswolke

Charlottesville (USA) - Amerikanische Astronomen haben erstmals einen Stern in seiner allerersten Entstehungsphase beobachtet. L1527 IRS ist höchstens 300.000 Jahre alt und enthält erst ein Fünftel der Masse unserer Sonne. Aus der umgebenden Gaswolke strömt stetig weitere Materie auf das Sternenbaby hinab – der Protostern wachse innerhalb von rund einer Million Jahren vermutlich auf Sonnengröße heran, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature“.

„Dieses extrem junge Objekt besitzt bereits alle Elemente eines Sonnensystems in der Entstehung“, sagt John Tobin vom National Radio Astronomy Observatory in Charlottesville. Der Astronom spielt damit auf die rotierende Gas- und Staubscheibe an, die den Protostern umgibt. Aus einer ähnlichen Scheibe sind die Planeten in unserem Sonnensystem entstanden. Die Scheibe von L1527 IRS enthalte ausreichend Materie, um sieben jupiterähnliche Planeten zu produzieren, so Tobin.

Doch noch ist dort alles im Fluss. Sterne entstehen aus großen Gaswolken, die sich unter ihrer eigenen Schwerkraft langsam zusammenziehen. Im Zentrum der Wolke, dort also, wo sie am dichtesten ist, bildet sich der Protostern. Durch die beim Zusammenziehen schneller werdende Eigendrehung konzentriert sich das Gas in der Umgebung des Sterns in einer rotierenden Scheibe. Durch diese Scheibe strömt weiter Materie aus der Gaswolke auf den jungen Stern. Derzeit nimmt der Stern etwa zwei Drittel des Millionsten Teils einer Sonnenmasse pro Jahr auf.

Daraus errechnen Tobin und seine Kollegen ein maximales Alter des Protosterns von 300.000 Jahren. „Aber er kann noch erheblich jünger sein, wenn diese Akkretionsrate in der Vergangenheit größer war“, so der Forscher. Die umgebende Wolke enthält noch rund eine Sonnenmasse an Gas, so dass L1527 IRS zu einem sonnenähnlichen Stern heranwachsen kann. „In vielerlei Hinsicht“, so Tobin, „sieht dieses 450 Lichtjahre entfernte System so aus, wir uns unser Sonnensystem in seiner Entstehungsphase vorstellen.“

Bildquelle: Nasa/JPL/Caltech

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!