Stürzt 2014 ein Komet auf den Mars?

Der jüngst entdeckte Komet Siding Spring nähert sich dem roten Planeten nach aktuellen Berechnungen auf 37.000 Kilometer – eine Kollision ist nicht ausgeschlossen

Husum - Ein am 3. Januar dieses Jahres mit einem automatischen Teleskop der australischen Sternwarte Siding Spring entdeckter Komet rast genau auf den Planeten Mars zu. Nach aktuellen Berechnungen rast der 50 Kilometer große Himmelskörper am 19. Oktober 2014 mit einer Geschwindigkeit von 56 Kilometern pro Sekunde in einem Abstand von nur 37.000 Kilometern an der Oberfläche des roten Planeten vorbei. Noch allerdings sind die Bahndaten ungenau: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 7000 kommt es sogar zu einem Einschlag des Kometen auf dem Mars.

Die Wucht eines solchen Einschlags entspräche der Explosion einer 20.000 Gigatonnen-Bombe und risse einen 500 Kilometer großen Krater in die Oberfläche des Planeten – mit vermutlich globalen Folgen. Die planetarische Katastrophe wäre vergleichbar mit dem Einschlag eines großen Asteroiden vor 65 Millionen Jahren auf der mexikanischen Yukatan-Halbinsel. Damals starben ein großer Teil der mesozoischen Pflanzen- und Tierarten aus, darunter auch die Dinosaurier.

Aber auch ohne direkten Einschlag können die Folgen für unseren Nachbarplaneten dramatisch sein. Denn Kometen entwickeln bei Annäherung an die Sonne eine häufig über 100.000 Kilometer große Hülle – die so genannte Koma - aus Gas, Staub und kometarischen Trümmern unterschiedlicher Größe. Da der Mars nur eine dünne Atmosphäre besitzt, wäre seine Oberfläche also einem intensiven Bombardement aus dem Weltall ausgesetzt, wenn der Planet die Koma des Kometen durchquert.

Die Astronomen sehen dem kosmischen Rendezvous deshalb mit gemischten Gefühlen entgegen. Zahlreiche aktive Raumsonden umkreisen den roten Planeten, mehrere Rover bewegen sich auf seiner Oberfläche. Einerseits bietet sich die einmalige Gelegenheit, mit den Instrumenten dieser Sonden einen Kometen aus nächster Nähe zu beobachten. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Raumfahrzeuge und Rover durch die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegenden Mikropartikel oder größere Kometenstücke zerstört werden.

Von der Erde aus ist die Begegnung voraussichtlich nur mit größeren Teleskopen gut zu sehen. Zwar steht der rote Planet im Oktober 2014 gut sichtbar am westlichen Abendhimmel. Doch mit 243 Millionen Kilometern ist er – und damit auch der Komet Siding Spring - recht weit von der Erde entfernt. Neben dem hellen Planeten ist der lichtschwache Kometenkern deshalb vermutlich nur schwer auszumachen.

Bildquelle: Chris Smith / NASA

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!