Ein zweiter blauer Planet

Astronomen bestimmen erstmals Farbe eines Exoplaneten – und fotografieren den bislang kühlsten Begleiter eines Sterns

Exeter (Großbritannien) / Tokio (Japan) - Einem internationalen Forscherteam ist es erstmals gelungen, die Farbe eines Planeten bei einem anderen Stern zu bestimmen. Der Exoplanet leuchtet zwar blau, damit erschöpft sich die Ähnlichkeit mit der Erde aber auch schon: HD 189733b ist ein „heißer Jupiter“, ein Gasriese, der seinen Stern auf einer engen Bahn umkreist. Streuung an Silikat-Partikeln – einer Art Regen aus Glas in der über tausend Grad heißen Atmosphäre - sei vermutlich für die blaue Farbe verantwortlich, so die Astronomen im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“. Während die Farbbestimmung nur über indirekte Messungen möglich war, präsentiert ein zweites Forscherteam im „Astrophysical Journal“ erstmals ein echtes Foto eines kühlen Planeten. Gliese 504b ist ebenfalls ein jupiterähnlicher Gasriese, der seinen sonnenähnlichen Stern aber auf einer weiten Umlaufbahn umrundet.

„Wir konnten sehen, wie der blaue Teil des Spektrums schwächer wurde, als HD 189733b hinter seinem Stern verschwand“, erinnert sich Tom Evans von der University of Oxford an die Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble. „Daraus konnten wir den Schluss ziehen, dass der Planet selbst blau sein muss, denn bei den anderen Farben blieb das Signal konstant.“ Und sein Teamleiter Frederic Pont von der University of Exeter ergänzt: „Es ist das erste Mal, dass die Bestimmung der Farbe bei einem Exoplaneten gelungen ist. Wir können uns nun vorstellen, wie dieser Planet aussieht, wenn wir ihn direkt sehen könnten.“

Direkt sehen können die Astronomen von den über 800 bislang aufgespürten Planeten bei anderen Sternen bislang nur einige wenige. Die große Mehrzahl der Exoplaneten verrät sich nur indirekt durch kleine Bewegungen oder Helligkeitsschwankungen ihres Zentralsterns. Und die bislang direkt fotografierten Planeten sind allesamt sehr junge Objekte, die noch von ihrer Entstehungsphase her heiß glühen und sich deshalb im Bereich der Wärmestrahlung leichter ausmachen lassen.

Masayuki Kuzuhara von der Universität Tokio und seinen Kollegen ist es nun mit dem japanischen Subaru-Teleskop auf Hawaii gelungen, auch einen kühlen Planeten zu fotografieren. Der Planet Gliese 504b hat eine Temperatur von etwa 240 Grad Celsius, leuchtet also im sichtbaren Licht nicht mehr selbst. Gliese 504b hat etwa die vierfache Masse Jupiters und zieht seine Bahn im 43,5-fachen Abstand Erde-Sonne um seinen Stern. Welche Farbe der Planet hat, können Kuzuhara und seine Kollegen nicht sagen, da sie ihn im Infrarotbereich fotografiert haben. Sie vermuten aber, dass seine Atmosphäre relativ frei von Wolken und damit weiteren spektroskopischen Untersuchungen zugänglich ist.

Bildquelle: Kuzuhara et al.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!