Plattentektonik auf Jupitermond Europa

Subduktion von Eisschollen verbessert Chancen für Leben im Ozean unter der Kruste

Moscow / Laurel (USA) - Eine 20.000 Quadratkilometer große Scholle ist unter der Eiskruste des Jupitermonds Europa verschwunden. Das zeigt die Analyse der Oberflächenstrukturen auf dem Himmelskörper durch zwei Forscher aus den USA. Es ist der erste Hinweis auf aktive Plattentektonik außerhalb der Erde. Die Subduktion von Eisschollen könnte wichtige Stoffe von der Oberfläche in den unter dem Eispanzer verborgenen Ozean transportieren und so die Chancen auf Leben auf dem Jupitermond erhöhen, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Geoscience“.

„Europa ähnelt der Erde möglicherweise mehr, als wir bislang angenommen haben“, sagt Simon Kattenhorn von der University of Idaho. „Der Nachweis von Plattentektonik macht den Jupitermond nicht nur zum geologisch interessantesten Körper im Sonnensystem – der Prozess hat auch entscheidende Konsequenzen für die Frage, ob Europa eine lebensfreundliche Welt ist.“

Europa besitzt eine kilometerdicke Eiskruste, unter der sich ein möglicherweise hundert Kilometer tiefer Ozean verbirgt. Die Oberfläche des Mondes ist von zahlreichen Rissen und Spalten durchzogen, die auf eine geologische Aktivität hindeuten. In einigen Rissen scheint wärmeres Material aufzusteigen und so neues Krustenmaterial zu bilden – ein Vorgang, der auch vom Meeresboden der Erde her bekannt ist. Das Gegenstück dieses Vorgangs ist die Subduktion, das Eintauchen und Absinken einer Kontinentalplatte unter eine andere.

Eben diesen Vorgang haben Kattenhorn und seine Kollegin Louise Prockter von der Johns Hopkins University nun auch auf Europa aufgespürt. Die beiden Forscher haben wie bei einem Puzzle versucht, aus den verschiedenen Teilen die ursprüngliche Oberfläche des Jupitermonds zu rekonstruieren. Dabei stießen sie auf den fehlenden „Puzzlestein“ auf der Nordhalbkugel des Himmelskörpers. Kattenhorn und Prockter vermuten, dass dort eine Scholle unter die Oberfläche gedrückt wurde und so die Lücke hinterließ. Europa scheint also – ähnlich der Erde – Kontinentalplatten zu besitzen, die sich auf einem wärmeren Mantel bewegen können. Nur dass Kruste und Mantel bei Europa aus Eis, nicht aus Gestein bestehen.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!