Naturkatastrophe auf Tschuri

Moffett Field / Boulder (USA) - Am 10. Juli 2015 kollabierte auf der Oberfläche des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko – kurz Tschuri – eine Felswand und löste so einen Staub-Ausbruch aus. Das zeigen hochaufgelöste Bilder der Raumsonde Rosetta, die ein internationales Forscherteam jetzt präsentiert. Es sei das erste Mal, dass ein direkter Zusammenhang zwischen einem solchen Staub-Ausbruch und einem Erosions-Ereignis auf einem Kometen dokumentiert werden konnte, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Astronomy“. Im Fachblatt „Science“ berichtet das Rosetta-Team außerdem über die Beobachtung weiterer Veränderungen auf der Oberfläche von Tschuri.

„Ausbrüche von Staub und Gas sind häufige Erscheinungen auf Kometen“, schreiben Maurizio Pajola vom Ames Research Center der Nasa in Kalifornien und seine Kollegen. „Doch obwohl zahlreiche Beobachtungen Hinweise auf die Auslöser solcher Ausbrüche geliefert haben, ist über den Ablauf solcher Ereignis bislang wenig bekannt.“ Es fehlten Beobachtungen, die eine direkte Verbindung von Veränderungen auf der Oberfläche zu Ausbrüchen herstellen. Am 10. Juli 2015 zeigte die Navigationskamera von Rosetta eine große Staubwolke über einer Region, in der die Forscher bereits auf Aufnahmen vom September 2014 eine „Aswan“ getaufte steile Böschung entdeckt hatten.

Das außergewöhnliche an dieser Böschung: Sie zeigte an ihrer oberen Kante einen 70 Meter langen, etwa einen Meter breiten Riss, der auf eine Instabilität der Struktur hinwies. Pajola und seine Kollegen inspizierten nun Aufnahmen der Region, die von Rosetta nach dem Ausbruch gemacht worden waren – und tatsächlich zeigte sich, dass die Felswand kollabiert war. Am unteren Ende der Böschung befand sich jetzt ein neuer, großer Geröllhaufen. Mehr noch: An der Abbruchkante gab es eine sehr helle Region, offenbar durch die Lawine freigelegtes Eis.

Das Rosetta-Team um Pajola und Mohamed Ramy El-Maarry von der University of Colorado in Boulder hat darüber hinaus eine ganze Reihe auffälliger Veränderungen auf der Oberfläche des Kometen entdeckt. Serienaufnahmen zeigen eine weitere Lawine, bei der eine Felskante pro Tag um 5,4 Meter wanderte. In anderen Regionen stießen die Forscher auf sich verändernde, wellenförmige Strukturen mit bis zu hundert Metern Durchmesser, die innerhalb von Monaten auftauchten und wieder verschwanden. Die meisten Veränderungen zeigten sich zur Zeit der größten Annäherung des Kometen an die Sonne, so die Forscher. Allerdings seien die Veränderungen eher lokaler Natur. Die großräumige Landschaft auf dem Kometen und seine eigenartige Doppel-Struktur zeigen sich stabil und sind vermutlich schon früher in der Entwicklung von Tschuri entstanden.

Bildquelle: ESA

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!