BD+48 740: Hat dieser Stern kürzlich einen Planeten verschlungen?

Roter Riese zeigt Spuren einer Katastrophe vor wenigen Millionen Jahren

Torun (Polen) Es ist ein Schicksal, dass in fünf Milliarden Jahren auch den inneren Planeten unseres Sonnensystems droht: Der rund 2000 Lichtjahre entfernte Stern BD+48 740 hat sich zu einem roten Riesen aufgebläht und dabei möglicherweise einen Planeten verschlungen. Ein internationales Forscherteam hat unter anderem eine deutliche Überhäufigkeit des Elements Lithium in der Atmosphäre des Sterns nachgewiesen, ein Indiz für eine solche Katastrophe. Der Planet wäre demnach erst vor wenigen Millionen Jahren in den Stern gestürzt, so die Astronomen im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

„Das wäre das erste Beispiel eines Mehrfach-Planetensystems, das durch die Entwicklung eines Sterns beeinflusst wurde“, erläutern Monika Adamów von der Nikolaus-Kopernikus-Universität im polnischen Torun und ihre Kollegen. Zwar sind bereits rund 50 Rote Riesen – Sterne ähnlich unserer Sonne, die ihren Wasserstoff-Vorrat verbraucht haben – bekannt, die Planeten besitzen. Auf der anderen Seite gibt es einige wenige Rote Riesen mit einer unerklärlichen Überhäufigkeit an Lithium. Adamów und ihr Team sind nun bei BD+48 740 sowohl auf eine Lithium-Überhäufigkeit als auch auf einen Planeten gestoßen – diese Entdeckungen machen den roten Riesen zu einem bislang einzigartigen Objekt.

Der Planet bewegt sich mit einer Umlaufzeit von 771 Tagen auf einer stark elliptischen Bahn im 1,89-fachen Abstand Erde-Sonne um den Stern. Das Forscherteam verknüpft nun die elliptische Bahn des Planeten und die Lithium-Überhäufigkeit zu einem gemeinsamen Szenario. Ursprünglich habe es zwei Planeten auf nahezu kreisförmigen Umlaufbahnen gegeben. Eine enge Begegnung hat dann den äußeren Planeten auf eine stark elliptische Bahn gebracht, während der innere sich dem Stern soweit angenähert hat, dass er von diesem schließlich verschlungen worden ist. Da bei roten Riesen die einfallende Planeten-Materie schnell in das Sterninnere absinkt, muss diese Katastrophe in – astronomisch gesehen – jüngerer Vergangenheit, vor wenigen Millionen Jahren, stattgefunden haben.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!