Es staubt auf Titan

Forscher beobachten Staubstürme auf dem Saturnmond

Auf dem Saturnmond Titan gibt es zu bestimmten Jahreszeiten Staubstürme. Das zeigt die Auswertung von Infrarotaufnahmen der US-amerikanischen Raumsonde Cassini aus den Jahren 2009 und 2010 durch ein internationales Forscherteam. Titan ist neben Erde und Mars damit der dritte Körper im Sonnensystem, auf dem dieses meteorologische Phänomen auftritt. Die ebenfalls von Cassini auf Titan entdeckten Dünenfelder verändern sich demnach aktiv durch starke Winde in der Atmosphäre, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Geoscience“.

„Zur Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche in den Jahren 2009/2010 beobachtete Cassini drei unterschiedliche, kurzlebige spektrale Aufhellungen in der Äquatorregion“, berichten Marie-Soledad Rodriguez von der Universität Paris in Frankreich und ihre Kollegen. „Unsere Analyse der Spektraldaten von Cassini, unsere Modellierung des Strahlungstransports in der Atmosphäre, sowie unsere Simulationen der Titan-Atmosphäre zeigen, dass diese Aufhellungen atmosphärischer Natur sind und mit der Bildung von Staubstürmen aus mikrometergroßen, organischen Partikeln in Einklang sind.“

Zwar hatte bereits der europäische Lander Huygens, der huckepack von Cassini ins Saturnsystem transportiert worden war, lokal Staub in der Methan-Atmosphäre des Saturnmonds nachgewiesen. Doch die Cassini-Beobachtungen und ihre Interpretation durch Rodriguez und ihre Kollegen zeigen jetzt, dass sich der Staub in deutlich größeren Mengen und über größere Regionen ausbreiten kann. Der Staub wird, so vermuten die Forscher durch Wind aus den Dünen in der trockenen äquatorialen Region aufgewirbelt.

Dazu sind allerdings Winde nötig, die fünf Mal stärker sind, als die bislang angenommenen Winde auf Titan. „Zu solchen starken Winden kann es im Bereich von Fallböen kommen, die wir im Verlauf der seltenen Methanstürme zur Zeit der Tagundnachtgleiche erwarten“, so Rodriguez und ihre Kollegen. Solche starken Winde könnten auch für eine Wanderung der Dünen auf Titan sorgen – die dann wiederum jeweils während der Tagundnachtgleiche, also alle 14,7 Erdjahre in Erscheinung treten würde. Mit seinem auf Methan basierenden Feuchtigkeitszyklus, Seen in den polaren Regionen und jetzt Staubstürmen und wandernden Dünen in der Äquatorzone erweist sich der Saturnmond als atmosphärisch höchst dynamischer Himmelskörper.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!