Naher Stern mit kalter Supererde

Astronomen entdecken Planeten bei Barnards Stern

Auch Barnards Stern besitzt einen Planeten. Das zeigen Beobachtungen eines internationalen Forscherteams. Barnards Stern ist sechs Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt und damit der uns am nächsten gelegene Einzelstern. Aufgrund seiner Nähe ist er zudem der Stern, der sich am schnellsten am Himmel bewegt. Der jetzt aufgespürte Planet hat etwa die 3,3-fache Erdmasse und zählt damit zu den „Supererden“. Er umkreist Barnards Stern mit einer Periode von 233 Tagen im 0,4-fachen Abstand Erde-Sonne. Da Bernards Stern ein kühler roter Zwergstern ist, sei der Planet mit einer Durchschnittstemperatur von minus 170 Grad Celsius allerdings lebensfeindlich, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

Direkt gesehen haben die Astronomen den Planeten freilich nicht. Der Nachweis gelang über die Radialgeschwindigkeitsmethode: Streng genommen umkreist ein Planet nicht seinen Zentralstern, sondern beide umrunden gemeinsam den Massenschwerpunkt des Systems. Auch der Stern bewegt sich also von der Erde aus gesehen periodisch vor und zurück, und diese Bewegung lässt sich im Spektrum des Sterns über den Dopplereffekt nachweisen. Von den derzeit bekannten fast 3900 Exoplaneten wurden immerhin 775 mit dieser Methode aufgespürt. Bei Bernards Stern erwies sich dies jedoch als schwierig.

„Für die Analyse haben wir 771 Messungen von sieben verschiedenen Instrumenten über zwanzig Jahre hinweg gesammelt“, erklärt Ignasi Ribas vom Institut de Ciències de l’Espai im spanischen Bellaterra, einer der beteiligten Astronomen. „Das ist einer der größten und umfangreichsten Datensätze, der je für präzise Radialgeschwindigkeitsstudien erstellt wurde.“ Während viele Sterne massereiche Planeten auf engen Umlaufbahnen besitzen, die sich mit dieser Methode leicht nachweisen lassen, gibt es einen solchen „heißen Jupiter“ bei Barnards Stern nicht. Stattdessen stießen die Forscher mit ihrer mühevollen Arbeit schließlich auf die Supererde in vergleichsweise großem Abstand.

Bereits vor zwei Jahren entdeckten Astronomen bei dem vier Lichtjahre entfernten und damit sonnennächsten Stern Proxima Centauri – der mit dem Sternenpaar Alpha Centauri ein Dreifachsystem bildet – einen Planeten. Mit der Neuentdeckung sind damit vier Planetensysteme im Umkreis von zehn Lichtjahren und 14 Planetensysteme im Umkreis von 15 Lichtjahren bekannt. Die Entdeckung zeige einmal mehr, dass die Entstehung von Planeten offenbar ein häufiges Phänomen im Kosmos sei, so die Forscher.

Bildquelle: ESO, M. Kornmesser

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!