Neues von den Seen auf Titan

Raumsonde Cassini beobachtet sowohl jahreszeitliche als auch langfristige Veränderungen

Die Methan-Seen an den Polen des größten Saturnmondes Titan verändern sich nicht nur im Verlauf der Jahreszeiten auf dem Himmelskörper, sondern unterliegen auch einem längerfristigen Klimawandel. Das zeigen jetzt im Fachblatt „Nature Astronomy“ veröffentlichte Beobachtungen der US-amerikanischen Raumsonde Cassini. Die Messungen der Forschungsteams zeigen, dass es sowohl über hundert Meter tiefe Seen gibt, die sich über Tausende von Jahren durch Methan-Niederschläge gebildet haben müssen, als auch wenige Millimeter tiefe Teiche, die jahreszeitlich bedingt vollkommen austrocknen können.

Der Saturnmond Titan ist neben der Erde der einzige Himmelskörper im Sonnensystem, auf dessen Oberfläche es permanent Flüssigkeitsansammlungen gibt – und auf dem ein Flüssigkeitszyklus mit Verdampfung, Niederschlägen, Flüssen und Seen existiert. Im Gegensatz zur Erde handelt es sich bei der Flüssigkeit auf der Oberfläche von Titan allerdings nicht um Wasser, sondern um flüssige Kohlenwasserstoffe, hauptsächlich Methan. Denn aufgrund seiner großen Entfernung zur Sonne – die im Mittel dem 9,5-fachen Abstand Erde-Sonne entspricht – beträgt die Temperatur auf der Oberfläche von Titan selbst tagsüber nur etwa minus 180 Grad Celsius.

Insbesondere an den Polen des Himmelskörpers hatte Cassini eine Vielzahl von Seen aus Methan mit Beimischungen aus Äthan und anderen Kohlenwasserstoffen nachgewiesen. Frühere Beobachtungen bei einer Reihe von Seen am Südpol von Titan im Verlauf des dortigen Sommers hatten bereits einen Rückzug der Küstenlinien gezeigt. Die jetzt publizierten Messungen zeigen ähnliche Effekte erstmals auch für den Nordpol des Saturnmonds, an dem es erheblich mehr und auch größere Seen gibt. Überraschend zeigte sich darüber hinaus, dass drei Seen innerhalb von sieben Jahren sogar vollständig verschwunden sind. Die Forscher schließen daraus, dass es sich bei diesen „Phantom-Seen“ lediglich um eine Art flacher Pfützen gehandelt hat, die sich im Titan-Winter gebildet haben und die im Titan-Frühling wieder verdampft sind.

Doch das gilt keineswegs für alle Seen auf Titan. Wie weitere Radarmessungen zeigen, sind einige Seen am Nordpol über hundert Meter tief. Die Cassini-Beobachtungen zeigen außerdem, dass diese Seen – im Gegensatz zu früher untersuchten Seen am Südpol Titans – aus nahezu reinem Methan bestehen. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die tiefen Seen über geologisch lange Zeiträume über Auswaschungen der Oberfläche durch Niederschläge gebildet haben. Da es keine sichtbaren Abflüsse gibt, versickere das Methan vermutlich langsam im Boden. Die Forscher gehen daher davon aus, dass die Geologie Titans nicht nur durch Flüssigkeiten an der Oberfläche, sondern auch durch Flüssigkeitsreservoire unter der Oberfläche entscheidend geprägt wird.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!