Wie entstehen Braune Zwerge?

Entdeckung eines Braunen Zwergs in der Entstehungsphase liefert neue Erkenntnisse über „verhinderte Sterne“

Gif-sur-Yvette (Frankreich)Braune Zwerge sind verhinderte Sterne: Sie enthalten zu wenig Masse, um dauerhaft durch Kernfusion Energie zu erzeugen. Bislang wissen die Astronomen nicht, wie Braune Sterne entstehen – ob wie normale Sterne durch den Kollaps einer Gaswolke oder als Nebenprodukt der Sternentstehung in einer rotierenden Scheibe aus Gas um einen jungen Stern. Die Entdeckung eines Braunen Zwergs in der Entstehungsphase durch ein Team französischer und britischer Forscher gibt nun erstmals Einblick in diesen Prozess. Die Beobachtungen zeigen, dass sich in der Ophiuchus-Molekülwolke eine Verdichtung zu einem Braunen Zwerg zusammenzieht. Dies sei ein Indiz dafür, dass Braune Zwerge ähnlich entstehen wie normale Sterne, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“

„Es gibt ebenso viele Braune Zwerge wie normale Sterne“, erläutern Phillipe André von der Université Paris Diderot und seine Kollegen, „aber ihr Entstehungsprozess ist immer noch umstritten.“ Da Braune Zwerge auf ihre Masse bezogen im Übergangsbereich zwischen Sternen und Planeten liegen, könnte ein verbessertes Verständnis ihrer Entstehung auch Rückschlüsse auf die Bildung von Sternen mit geringer und Planeten mit großer Masse liefern.

André und sein Team haben die Verdichtung Oph B-11 in der 400 Lichtjahre entfernten Molekülwolke Ophiuchus L1688 mithilfe hochauflösender Interferometrie im Bereich der Millimeterstrahlung untersucht. Sterne entstehen durch den gravitativen Kollaps solcher Verdichtungen in kühlen Molekülwolken. Die Messungen der Forscher zeigen, dass Oph B-11 etwa den 460-fachen Durchmesser der Erdbahn und eine Masse von zwei bis drei Hundertsteln der Sonnenmasse besitzt. Aus dieser Verdichtung kann also, so folgern die Astronomen, keine normaler Stern, sondern nur ein Brauner Zwerg entstehen. Denn die untere Grenzmasse für Sterne liegt bei acht Hundertsteln der Sonnenmasse.

„Die Identifikation einer derartigen Wolken-Verdichtung spricht dafür, dass Braune Zwerge auf dieselbe Weise entstehen wie Sterne mit Wasserstoff-Fusion“, folgern André und seine Kollegen. Doch sie mahnen auch zur Vorsicht: Die Beobachtung eines einzigen derartigen Objekts sei noch kein Beweis dafür, dass dieser Prozess der einzige sei, über den Braune Zwerge entstehen könnten. Es sei denkbar, dass auch andere Vorgänge, wie Instabilitäten in protoplanetarischen Scheiben um junge Sterne, eine wichtige Rolle spielen. Die Frage, wie Braune Zwerge entstehen, lässt sich also nur durch die weitere Suche nach solchen verhinderten Sternen in ihrer Entstehungsphase beantworten.

Bildquelle: Nasa/Hurt

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!