Supermassereiches Schwarzes Loch sitzt wie eine Spinne im kosmischen Netz

Beobachtungen liefern Aufschluss über das Wachstum der extremen Objekte im jungen Kosmos

Astronomen haben erstmals eine Gruppe von Galaxien aufgespürt, die sich im jungen Kosmos in einem Netz aus Gasfilamenten um eine supermassereiches Schwarzes Loch befinden. Die mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO gemachte Entdeckung zeige, wie die supermassereichen Schwarzen Löcher nach dem Urknall so schnell anwachsen konnten, schreibt das internationale Forscherteam im Fachblatt „Astronomy & Astrophyics“: Es wird durch Gasströme entlang der Filamente gefüttert.

„Unsere Beobachtungen liefern wichtige Einblicke in das bislang ungelöste Rätsel der Entstehung und des Wachstums dieser extremen, aber gleichwohl sehr häufigen Objekte nach dem Urknall“, erklärt Team-Mitglied Roberto Gilli vom Observatorium Bologna in Italien. Denn bereits eine Milliarde Jahre nach dem Urknall existierten zahlreiche Schwarze Löcher mit bis zu mehreren Milliarden Sonnenmassen. So auch das jetzt beobachtete Schwarze Loch SDSS J1030+0524: Sein Licht benötigt 12,9 Milliarden Jahre zur Erde, die Astronomen sehen es also so, wie es 900 Millionen Jahre nach der Entstehung des Kosmos vor 13,8 Milliarden Jahren aussah. Und bereits zu dieser Zeit enthielt es eine Milliarde Sonnenmassen, wie die Messungen der Forscher zeigen.

Die ersten Schwarzen Löcher sind vermutlich durch den Kollaps der ersten Sterngeneration im Kosmos entstanden, also knapp 200 Millionen Jahre nach dem Urknall. In einigen hundert Millionen Jahren müssen sie also von Sternengröße auf ihre enorme spätere Masse angewachsen sein. Die jetzt von Gilli und seinen Kollegen gefundene Struktur um SDSS J1030+0524 liefert eine mögliche Erklärung: Die Bilder des Very Large Telescope zeigen sechs Galaxien in der Umgebung des Schwarzen Lochs, eingebettet in ein Netz ausgedehnter Filamente aus Gas. Dieses kosmische „Spinnennetz“ und die an den Knotenpunkten der Filamente liegenden Galaxien enthalten, so die Forscher, ausreichend Gas, um das Schwarze Loch zu füttern.

Die Entdeckung der Galaxien war nur durch stundenlange Aufnahmen des Very Large Telescope möglich – sie zählen zu den leuchtschwächsten Sternsystemen, die bislang von Astronomen aufgespürt worden sind. „Vermutlich sehen wir nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Barbara Balmaverde vom Observatorium Turin in Italien, die ebenfalls an den Beobachtungen beteiligt war. „Wir sehen nur die hellsten Galaxien um das Schwarze Loch.“ Es könnten noch viel mehr schwächer leuchtende Galaxien in der Umgebung des Schwarzen Lochs vorhanden sein. Diese könnten sich, so die Hoffnung der Wissenschaftler, mit dem derzeit im Bau befindlichen „Extremely Large Telescope“ der ESO aufspüren lassen, das 2025 in Betrieb gehen soll.

Bildquelle: ESO/L. Calçada

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!