Wasser der Erde stammt nicht von Kometen

Untersuchung von Meteoriten erschüttert Entwicklungsmodelle unseres Sonnensystems

Washington (USA)Für die Entstehung von Leben wichtige Stoffe wie Wasser, Stickstoff und Kohlenstoff sind nicht – wie bislang vermutet – aus dem äußeren Sonnensystem zur Erde gebracht worden, sondern stammen aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam, das die Isotopen-Zusammensetzung von 86 speziellen Meteoriten, so genannten kohligen Chondriten, untersucht hat. Der Befund stehe im Widerspruch zu den vorherrschenden Modellen der frühen Entwicklungsgeschichte des Sonnensystems, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“.

„Die Bestimmung der Herkunft der von der Erde aufgenommenen Elemente Wasserstoff, Kohlenstoff und Stickstoff ist von großer Bedeutung, um den Ursprung des Wassers und des Lebens zu verstehen – und um die Randbedingungen der dynamischen Prozesse zu kennen, die während der Planetenentstehung am Werk waren“, schreiben Conel Alexander von der Carnegie Institution of Washington und seine Kollegen. Die Strahlung der jungen Sonne hat diese leichten Elemente aus dem inneren Sonnensystem heraus geblasen, sie müssen also in einer späteren Phase wieder von außen nachgeliefert worden sein.

In den derzeit von den Astronomen bevorzugten Modellen sind sowohl kohlige Chondriten als auch Kometen im äußeren Sonnensystem entstanden und haben die leichten Elemente und damit auch das Wasser zur Erde gebracht. Alexander und seine Kollegen haben diese Vorstellung mit ihrer Untersuchung von 86 kohligen Chondriten überprüft. Das Ergebnis: Die Meteoriten enthalten deutlich weniger Deuterium als Kometen. Deuterium ist ein schweres Isotop des Elements Wasserstoffs, es enthält zusätzlich zum Proton ein Neutron im Atomkern. Die Isotopen-Zusammensetzung zeigt den Forschern, wo die Himmelskörper entstanden sind: je weiter entfernt von der Sonne, desto mehr Deuterium sollten sie enthalten.

Die Ergebnisse von Alexander und seine Kollegen zeigen also, dass kohlige Chondriten näher an der Sonne entstanden sein müssen als Kometen. Das Team sieht im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter den wahrscheinlichsten Entstehungsort der Meteoriten – und damit auch den Herkunftsort der flüchtigen Elemente im inneren Sonnensystem. Dies „widerspricht den Vorhersagen der derzeitigen dynamischen Modelle“ des jungen Sonnensystems, so die Forscher.

Bildquelle: H. Raab

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!