Der Sternenhimmel im Mai

Es geht mit großen Schritten auf den Sommer zu. Das Bild des abendlichen Firmaments hat sich in den letzten Wochen grundlegend gewandelt. Dazu trägt neben der monatlichen Verschiebung der Gestirne im Jahreslauf auch die stetig später einsetzende Dunkelheit bei: Erst gegen 22 Uhr ist es in unseren Breiten im Mai richtig dunkel.

Tief im Westen verabschieden sich dann die Zwillinge als letzter Überrest des Winterhimmels von uns. Auch das Sternbild Krebs ist schon weit nach Westen gerückt, gefolgt vom hoch am Himmel stehenden Löwen, dem dominierenden Sternbild des Frühlings.

Ebenfalls hoch am Nordhimmel steht derzeit der Große Bär, dessen sieben hellste Sterne bei uns eher als „Großer Wagen“ bekannt sind. Dieses Sternbild kann uns nachts als Orientierung dienen: Verlängert man die Verbindungslinie zwischen den beiden äußeren Kastensternen des „Wagens“ um das Fünffache, so trifft man ziemlich genau auf den Polarstern.

Im Süden steht im Mai das Sternbild Jungfrau. Selbst eher unscheinbar, beherbergt es mit Spica einen der hellsten Sterne des Himmels. Spica ist rund 260 Lichtjahre von uns entfernt und übertrifft die Leuchtkraft unserer Sonne um mehr als das Zehntausendfache. Und in diesem Frühjahr bereichert ein weiteres auffällig helles Objekt das Sternbild Jungfrau: Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems. Der zunehmende Mond wandert in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai knapp zwei Grad nördlich am Königsplaneten vorüber.

Oberhalb der Jungfrau finden wir einen weiteren, außergewöhnlich hellen Stern: Arktur, der 37 Lichtjahre entfernte Hauptstern der Konstellation Bootes, auch Ochsentreiber oder Bärenhüter genannt. Nach Osten hin schließen sich die Sternbilder Krone und Herkules an, gefolgt von der Leier als erstem Boten des kommenden Sommers. Etwa ab Mitternacht kann man am Osthimmel bereits das ganze Sommerdreieck sehen, das von den hellsten Sternen der Konstellationen Leier, Schwan und Adler gebildet wird.

In der zweiten Nachthälfte können wir mit Saturn noch einen zweiten großen Gasplaneten am Himmel beobachten. Der Planet mit dem schönen Ringsystem steht zunächst im Sternbild Schütze und wechselt am 18. Mai in den Schlangenträger. Anfang des Monats geht Saturn kurz nach Mitternacht, Ende Mai bereits gegen 22.15 Uhr auf. In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai steht der abnehmende Mond zweieinhalb Grad nördlich des Ringplaneten.

Insbesondere in der zweiten Nachthälfte lassen sich den ganzen Monat hindurch die Sternschnuppen der Eta-Aquariden beobachten. Ihr Maximum erreichen sie um den 5. Mai herum mit bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde.

Frühaufsteher können vor Sonnenaufgang die Venus als hell strahlenden Morgenstern bewundern. Der innere Nachbarplanet der Erde geht am Monatsanfang anderthalb Stunden, zum Monatsende sogar zwei Stunden vor der Sonne auf und steht tief über dem östlichen Horizont.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!