Der Sternenhimmel im Juli

Am 3. Juli nachts um 22 Uhr erreicht die Erde den sonnenfernsten Punkt ihrer jährlichen Bahn um unser Zentralgestirn: Mit 152 Millionen Kilometern ist unser Planet dann 5 Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt als am 4. Januar. Diese Differenz entspricht zwar dem 13-fachen Abstand des Mondes von der Erde, doch auf unser Wetter hat die Sonnenferne keinen Einfluss: Es ist die Neigung der Erdachse, und nicht die leichte Ellipsenform der Erdbahn, welche die Jahreszeiten verursacht. Auf der Nordhalbkugel ist gegenwärtig Sommer, weil der Nordpol um 23,5 Grad in Richtung Sonne gekippt ist – und damit entsprechend mehr Licht und Wärme von unserem Zentralgestirn erhält. Auf der Südhalbkugel ist dagegen Winter, weil der Südpol von der Sonne weg zeigt.

Da die Sommersonnenwende hinter uns liegt, werden die Nächte zur Freude aller Hobby-Sterngucker langsam wieder dunkler. Eine Stunde nach Sonnenuntergang entfaltet sich vor unseren Augen der prächtige Sommerhimmel mit den Sternbildern Schwan, Leier und Adler, deren hellste Sterne das markante Sommerdreieck bilden. Westlich der Leier, hoch am Himmel, sehen wir Herkules, den Helden zahlreicher griechischer Sagen. In diesem Sternbild lassen sich mit einem Fernglas zwei der schönsten Kugelsternhaufen des Nordhimmels ausmachen, Messier 13 und Messier 92. Westlich an Herkules schließt sich die nördliche Krone an, ein markantes kleines Sternbild aus sieben halbkreisförmig angeordneten Sternen, sowie der Bärenhüter Bootes mit seinem auffälligen, rötlich strahlenden Hauptstern Arktur.

Zumindest in der ersten Monatshälfte können wir tief im Westen noch das Frühlingssternbild des Löwen sehen. Im Südwesten folgt die Jungfrau, die neben ihrem Hauptstern Spika derzeit mit dem Planeten Jupiter ein weiteres auffallend helles Himmelsobjekt beherbergt. Am 1. und am 28. Juli steht jeweils der Mond einige Grad nördlich des Königsplaneten. Im Tierkreis folgen östlich der Jungfrau Waage, Skorpion und schließlich der Schlangenträger. Hier finden wir mit Saturn den nächsten hellen Planeten. Anfang des Monats steht Saturn noch bis etwa 4.30 Uhr am Himmel, zum Monatsende hin geht er jedoch schon gegen 2.20 Uhr unter.

Frühaufsteher können sich weiterhin an der Venus als hell strahlendem Morgenstern erfreuen. Den ganzen Monat hindurch erscheint der Schwesterplanet der Erde gegen 2.50 Uhr am östlichen Horizont. Eine Stunde vor Sonnenaufgang hat der Morgenstern eine Höhe von etwa 10 Grad über dem Horizont erreicht. Zur Monatsmitte begegnet die Venus Aldebaran, dem hellsten Stern im Sternbild Stier. Am Morgen des 20. Juli steht die dünne Sichel des abnehmenden Mondes etwa 5,5 Grad südlich der Venus – zusammen mit Aldebaran ein sehenswerter Anblick.

Etwa ab dem 10. Juli lohnt es sich, nach den Sternschnuppen der Delta-Aquariden Ausschau zu halten, die ihr Maximum in diesem Jahr vermutlich am 28. Juli erreichen – dann rechnen die Astronomen mit 20 bis 25 hellen Sternschnuppen pro Stunde. Ebenfalls ab Mitte des Monats können zudem erste Sternschnuppen des bekannten Perseiden-Schwarms über den Himmel ziehen – diese erreichen ihr Maximum aber erst im August.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!