Der Sternenhimmel im Mai

Venus leuchtet als auffälliger Abendstern - Jupiter in Opposition

Die Dunkelheit lässt im Mai immer länger auf sich warten: Gegen 21 Uhr geht die Sonne unter - und erst eine Stunde später ist es dunkel genug, um die Sternbilder zu erkennen. Doch schon in der Abenddämmerung lohnt sich der Blick zum Himmel. Denn die Venus leuchtet als auffälliger Abendstern über dem westnordwestlichen Horizont. Am Abend des 17. Mai zieht die dünne Sichel des zunehmenden Mondes in etwa fünf Grad Abstand südlich an unserem Nachbarplaneten vorüber.

Durch die immer später einsetzende Dunkelheit verändert sich gegenwärtig der abendliche Sternenhimmel für den Betrachter schneller als zu anderen Zeiten des Jahres. Tief im Westen verabschieden sich die Zwillinge als letzter Überrest des Winterhimmels von uns. Auch das Sternbild Krebs ist schon weit nach Westen gerückt. Auf den Krebs folgt hoch am Himmel der Löwe, das dominierende Sternbild des Frühlings, sowie im Süden die Jungfrau mit dem auffällig hellen Stern Spika, gefolgt von der Waage.

Dieses eher unscheinbare Sternbild wird derzeit von einem hellen Gestirn mit auffällig ruhigem Schein bereichert – dem Jupiter. Der Königsplanet steht am 9. Mai von der Erde aus der Sonne gegenüber und ist damit die ganze Nacht hindurch zusehen. Im Fernrohr können wir Wolkenbänder in seiner Atmosphäre erkennen, sowie seine vier hellsten, bereits von Galileo Galilei entdeckten Monde.

Diese sorgen immer wieder für interessante Erscheinungen. So wirft der Mond Europa in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai ab Mitternacht bis etwa 2.20 Uhr seinen Schatten auf den Planeten, ebenso der Mond Io in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai von 23.25 bis 1.35 Uhr. Und mitunter verschwinden Monde scheinbar urplötzlich – als würden sie abgeschaltet – im Schatten des Riesenplaneten, so Io am 2. Mai um 0.10 Uhr und am 9. Mai um 2.04 Uhr.

Auf die Waage folgen im Tierkreis Skorpion, Schlangenträger und gegen Mitternacht der Schütze – und damit der nächste Planet: Saturn, der Planet mit dem Ringsystem, geht Anfang Mai gegen 1.15 Uhr, Ende des Monats aber bereits etwa um 23.10 im Osten auf. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai steht der Mond etwa zwei Grad nördlich des Saturn.

Ein Stück weiter östlich, im Grenzgebiet zwischen Schütze und Steinbock taucht mit dem Mars der vierte große Planet auf, den wir im Mai am Firmament beobachten können. Der rote Planet geht Anfang des Monats etwa um 2.20 Uhr, Ende Mai gegen 1 Uhr auf. Ein Tag nach seiner Begegnung mit Saturn zieht der Mond am Morgen des 6. Mai im Abstand von zweieinhalb Grad nördlich am Mars vorüber.

Im ersten Monatsdrittel lassen sich am Morgenhimmel außerdem die Sternschnuppen der Mai-Aquariden beobachten. Die Meteore stammen vermutlich von dem berühmten Kometen Halley. Im Durchschnitt erwarten die Astronomen 20, am 6. Mai sogar bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde. Allerdings erscheinen die meisten dieser Sternschnuppen tief im Süden – die Mai-Aquariden lassen sich besser von Südeuropa als von Mitteleuropa beobachten.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!