Der Sternenhimmel im Mai

Abschied von der Venus - Merkur am Abendhimmel

Die Dunkelheit lässt im Mai immer länger auf sich warten: Gegen 21 Uhr geht die Sonne unter - und erst eine Stunde später ist es dunkel genug, um wenigstens einige Sternbilder zu erkennen. Doch bereits in der Abenddämmerung lohnt sich der Blick zum Himmel, zumindest in nordwestlicher Richtung. Denn dort steht immer noch die Venus als heller Abendstern. Und im letzten Monatsdrittel gesellt sich Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems, tief am nordwestlichen Horizont hinzu.

Die Zeit der Abendsichtbarkeit der Venus geht allerdings im Mai ihrem Ende entgegen. Anfang des Monats steht der Abendstern noch bis Mitternacht am Himmel, Ende Mai geht die Venus dagegen bereits kurz nach 22 Uhr und damit etwa eine Dreiviertelstunde nach der Sonne unter. Der flinke Götterbote Merkur lässt sich etwa ab dem 20. Mai aufspüren. Eine Stunde nach Sonnenuntergang steht der Planet etwa fünf Grad über dem Horizont. Am 22. Mai begegnen sich Merkur und Venus im Abstand von etwa einem Grad, das entspricht dem doppelten Durchmesser des Vollmonds. Und zwei Tage später steht die hauchdünne Sichel des zunehmenden Mondes nahe bei den beiden Planeten.

Da die Sonne von Tag zu Tag später untergeht, verändert sich der abendliche Sternenhimmel für den Betrachter schneller als zu anderen Zeiten des Jahres. Tief im Westen verabschieden sich die Zwillinge als letzter Überrest des Winterhimmels von uns. Auch das Sternbild Krebs ist schon weit nach Westen gerückt. Auf den Krebs folgt hoch am Himmel der Löwe, das dominierende Sternbild des Frühlings, sowie im Süden die Jungfrau mit dem auffällig hellen Stern Spika, gefolgt von der eher unscheinbaren Waage.

Oberhalb der Jungfrau finden wir den Ochsentreiber Bootes mit seinem roten Hauptstern Arktur. Nach Osten hin schließen sich die Sternbilder Krone und Herkules an, gefolgt von der Leier als erstem Boten des nahen Sommers. Gegen Mitternacht können wir dann am östlichen Himmel bereits das ganze Sommerdreieck sehen, das von den hellsten Sternen der Konstellationen Leier, Schwan und Adler gebildet wird.

In der zweiten Nachthälfte können wir im Südosten gleich drei weitere Planeten beobachten: Auf Jupiter im Schützen folgen zunächst Saturn und etwas später der Mars im Steinbock. Der Rote Planet wechselt allerdings am 9. Mai in den Wassermann hinüber. Der abnehmende Mond zieht am 12. und 13. Mai zunächst an Jupiter und Saturn vorüber, um dann am Morgen des 15. Mai dem Mars zu begegnen. Bis zum 18. Mai nähern sich die beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn am Himmel einander, um sich dann jedoch langsam wieder voneinander zu entfernen. Beide Planeten sind bereits mit einem kleinen Fernrohr lohnende Beobachtungsobjekte: Die Ringe des Saturn sind ebenso zu erkennen wir Wolkenbänder in der Atmosphäre Jupiters. Und auch die wechselnden Positionen der vier hellen Jupitermonde lassen sich von Tag zu Tag verfolgen.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!