Der Sternenhimmel im Mai

Totale Mondfinsternis und vier Planeten am Morgenhimmel

Anfang des Monats bietet sich noch einmal eine Gelegenheit, den sonnennächsten Planeten aufzuspüren: Am Abend des 2. Mai steht Merkur knapp drei Grad oberhalb der dünne Sichel des zunehmenden Mondes. Die beste Beobachtungszeit ist etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang: Dann stehen Merkur und Mond noch etwa acht Grad über dem westnordwestlichen Horizont. Ein Fernglas hilft bei der Suche, da sich die hauchdünne Mondsichel und der Planet nur schwer vom noch recht hellen Himmelshintergrund abheben.

Nach Einbruch der Dunkelheit – im Mai erst gegen 22 Uhr – sehen wir im Westen noch die Wintersternbilder Stier, Fuhrmann und Zwillinge. Auch das Sternbild Krebs ist schon weit nach Westen gerückt, gefolgt vom hoch am Himmel stehenden Löwen, dem dominierenden Sternbild des Frühjahrs.

Im Süden steht im Mai das Sternbild Jungfrau mit dem auffälligen Stern Spika, gefolgt von der eher unscheinbaren Waage. Oberhalb der Jungfrau finden wir den Bärenhüter Bootes mit seinem roten Hauptstern Arktur. Nach Osten hin schließen sich die Sternbilder Nördliche Krone und Herkules an, gefolgt von der Leier als erstem Boten des nahenden Sommers. Im Tierkreis folgt auf die Waage im Südosten der Skorpion mit seinem rötlichen Hauptstern Antares und schließlich der weniger bekannte Schlangenträger.

Die zweite Nachthälfte erfreut uns mit gleich vier großen Planeten. Den Anfang macht Saturn im Steinbock, gefolgt vom Mars im Wassermann. Der Rote Planet wechselt am 19. Mai in das Sternbild Fische, wo er am 29. Mai dem Jupiter im Abstand von 0,6 Grad begegnet – also etwas mehr als dem scheinbaren Durchmesser des Vollmonds am Himmel. In der Morgendämmerung taucht dann schließlich als letztes die Venus tief im Osten auf.

Die morgendliche Planetenparade führt im letzten Drittel des Monats auch zu schön anzusehenden Begegnungen mit dem Mond: Am Morgen des 22. Mai passiert der Erdtrabant den Saturn, am 24. steht er beim Mars und einen Tag später zieht er an Jupiter vorüber. Am 27. Mai schließlich steht die Sichel des abnehmenden Mondes nur ein Grad von der Venus entfernt.

Ein Blick an den Morgenhimmel lohnt sich auch am 16. Mai, denn dann kommt es zu einer totalen Mondfinsternis. Dabei durchquert der Erdtrabant den Kernschatten der Erde. Gegen 3.30 Uhr beginnt der Eintritt in den Halbschatten, etwa eine Stunde später erreicht der Rand des Mondes den Kernschatten der Erde.

Wenn der Erdtrabant vollständig im Kernschatten steht, leuchtet er häufig in einem kupferroten Licht – angestrahlt von Sonnenlicht, das durch die Atmosphäre der Erde gebrochen wurde und daher, wie bei Sonnenauf- und -untergängen, rötlich verfärbt ist. Allerdings geht der Mond in unseren Regionen gegen 5.30 Uhr unter, eben dann, wenn die Totalität der Finsternis beginnt. Wer also in den Genuss des roten Mondes kommen möchte, muss weiter nach Westen reisen.

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!