Blick in die Geburtswehen von Sternen

Astronomen beobachten Pulsationen vor Zündung der Kernfusion

Löwen (Belgien) - In der letzten Phase ihrer Entstehung zeigen Sterne heftige Pulsationen – und diese „Geburtswehen“ beschleunigen sich parallel zum Ansteigen der Temperatur und der Massendichte. Das zeigt die Beobachtung der Schwingungen von 34 Sternen in ihrer Geburtsphase – so genannten Vor-Hauptreihen-Sternen – durch ein internationales Forscherteam. Solche asteroseismologischen Untersuchungen könnten künftig eine genaue Bestimmung des Alters junger Sterne ermöglichen, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“.

„Sterne entstehen durch den gravitativen Kollaps von Molekülwolken“, erläutern Konstanze Zwintz vom Institut für Sternenkunde im belgischen Löwen und ihre Kollegen. „Sie ziehen sich solange zusammen, bis in ihrem Kern Temperatur und Dichte ausreichend hoch für die Kernfusion von Wasserstoff zu Helium sind.“ Dies ist der eigentliche Moment der Sternengeburt, in diesem Zustand des Wasserstoff-Brennens verbringt ein Stern die überwiegende Zeit seiner Existenz.

„Ein gutes Verständnis der physikalischen Prozesse in den frühesten Phasen der Sternentwicklung ist von großer Bedeutung“, betonen Zwintz und ihr Team weiter. Denn diese Prozesse entscheiden über den weiteren Verlauf des Sternenlebens und damit ultimativ auch über die chemische Entwicklung von Galaxien. Deshalb sei es wichtig, einen Einblick in die Geburtsphase von Sternen zu gewinnen. Dem Forscherteam gelang es nun erstmalig, das Verfahren der Asteroseismologie – also der Untersuchung von Sternschwingungen – auf entstehende Sterne anzuwenden.

Die Messung der Pulsationen von 34 Vor-Hauptreihen-Sternen mithilfe von zahlreichen Teleskopen auf der Erde und im Weltall zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Eigenschaften der Sternschwingungen und dem Entwicklungsstand der Sterne gibt. Die Himmelsforscher konnten auch messen, wie lange es von der ersten Kontraktion einer Gaswolke bis zur Zündung der Kernfusion dauert: 8 Millionen Jahre für einen Stern mit der dreifachen Sonnenmasse, 33 Millionen Jahre für einen Stern mit der anderthalbfachen Masse der Sonne.

Bildquelle: NASA/ESA

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!