Supermassereiche Schwarze Löcher - überall im Kosmos?

Überraschende Entdeckung eines Schwarzen Lochs mit 17 Milliarden Sonnenmassen abseits großer Materiekonzentrationen

Garching - Ist es ein seltener Einzelfall – oder die Spitze des Eisbergs? Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein supermassereiches Schwarzes Loch außerhalb dichter Galaxienansammlungen im heutigen Kosmos nachgewiesen. Das etwa 200 Millionen Lichtjahre entfernte Objekt im Zentrum der Galaxie NGC 1600 enthält eine Masse von 17 Milliarden Sonnenmassen. Das gewaltige Schwarze Loch habe wahrscheinlich im jungen Kosmos als Quasar geleuchtet, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“

„Quasare gewinnen ihre Energie aus dem Materieeinfall in supermassereiche Schwarze Löcher“, erläutern Jens Thomas vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München und seine Kollegen. Im jungen Kosmos – bereits weniger als eine Milliarde Jahre nach dem Urknall – leuchteten diese Objekte heller als ganze Galaxien. Supermassereiche Schwarze Löcher müssen also bereits früh in der kosmischen Entwicklung entstanden sein – wie, wissen die Astronomen bislang nicht. Aufschluss erhoffen sich die Forscher aus der Beobachtung der supermassereichen Schwarzen Löcher im heutigen Kosmos.

Da es in ihrer Umgebung heute kaum mehr Materie gibt, strahlen die Schwarzen Löcher kaum noch und sind daher schwer nachzuweisen. Bislang sind erst zwei Schwarze Löcher ausreichender Masse im heutigen Kosmos bekannt – und beide liegen in der Zentralregion großer Galaxienhaufen. Im Gegensatz dazu finden sich Quasare im jungen Kosmos aber keineswegs nur in Regionen sehr hoher Materiedichte. Thomas und seine Kollegen suchen daher systematisch nach supermassereichen Schwarzen Löchern bei zwar großen, aber abseits von dichten Ansammlungen stehenden Galaxien.

Bei NGC 1600 führte diese Suche nun erstmals zum Erfolg. Die Bewegung der Sterne in der Zentralregion dieser Galaxie zeige, so die Forscher, dass sich dort ein extrem massereiches Objekt verbirgt. Tatsächlich deutet die Sternbewegung sogar daraufhin, dass es sich nicht nur um ein, sondern um gleich zwei große Schwarze Löcher handelt, sie sich gegenseitig umkreisen. Thomas und seine Kollegen sind nun gespannt, ob ihr Suchprogramm weitere supermassereiche Schwarze Löcher in Galaxien außerhalb dichter Regionen aufspürt – denn irgendwo müssen die ehemaligen Energiequellen der Quasare sich im heutigen Kosmos verbergen.

Bildquelle: Esa/Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!