Warme Geburt für kalten Zwergplaneten

Neues Entstehungsszenario erhöht Chancen für Leben auf Pluto und anderen Objekten im fernen Kuipergürtel

Der Zwergplanet Pluto könnte bereits seit seiner Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren einen Ozean aus Wasser unter seiner eisigen Oberfläche besitzen. Darauf deutet eine Analyse von Oberflächenstrukturen auf dem Himmelskörper durch US-amerikanische Forscher: Diese lassen sich unter der bisherigen Annahme einer „kalten Geburt“ von Pluto nicht erklären. Eine „warme Geburt“ des Zwergplaneten könnte auch die Entstehung von Leben in dem Ozean begünstigt haben, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Geoscience“.

„Bislang sind wir davon ausgegangen, dass Pluto aus kaltem Material entstanden ist“, schreiben Carver Bierson und Francis Nimmo von der University of California in Santa Cruz, sowie Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder. „Sein Ozean ist in diesem Szenario erst später durch die Zerfallswärme von radioaktiven Elementen im felsigen Kern des Zwergplaneten entstanden.“ Auf die Existenz eines solchen, unter einer viele Kilometer dicken Eisschicht deuten zum Beispiel Strukturen wie die herzförmige Ebene Sputnik Planitia auf der Oberfläche Plutos.

Bierson, Nimmo und Stern sind jetzt jedoch auf den Aufnahmen der Raumsonde New Horizons, die 2015 an dem Zwergplaneten vorüberflog, auf alte Grabensysteme aus der Frühzeit von Pluto gestoßen, die sich nicht mit dem Szenario der kalten Geburt in Einklang bringen lassen. Denn solche Gräben entstehen, wenn sich die Kruste eines Himmelskörpers ausdehnt – bei einer kühlen Geburt hätte sie jedoch schrumpfen müssen. Die drei Forscher schließen daraus, dass Pluto bei seiner Entstehung heiß war – was wiederum auf eine relativ schnelle Entstehung des Himmelskörpers innerhalb von weniger als 30.000 Jahren durch den Zusammenprall mehrerer kleinerer Körper hindeutet.

Bei einer solchen warmen Geburt wäre sofort ein Ozean aus Wasser entstanden, der dann unter einer sich langsam verdickenden Eisschicht verschwunden wäre und bis heute fortbestehen könnte. „Dadurch könnte es über sehr lange Zeiträume zu chemischen Reaktionen zwischen dem Wasser und dem warmen Gestein gekommen sein“, heben die Forscher hervor, „und das könnte Konsequenzen für die Lebensfreundlichkeit dieser fernen eisigen Welt haben.“ Und nicht nur für Pluto: Auch andere Eiswelten im Kuipergürtel könnten dann warm statt kalt entstanden sein und deshalb einen lebensfreundlichen Ozean unter ihrer Oberfläche besitzen.

Bildquelle: Nasa

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!