Die Spur der Magellanschen Wolke

Begleiter der Milchstraße beeinflusst den galaktischen Halo.

Unsere Milchstraße besitzt zwei kleinere Begleiter, die Große und die Kleine Magellansche Wolke, die beide am Südhimmel mit bloßen Augen zu erkennen sind. Insbesondere die Große Magellansche Wolke, die mehrere Milliarden Sterne enthält, sollte bei ihrer Bewegung um die Milchstraße zu Störungen in der Verteilung der Sterne und der Dunklen Materie im galaktischen Halo führen. Einem Team US-amerikanischer Astronomen gelang es jetzt erstmals, diesen seit langem theoretisch vorhergesagten Einfluss nachzuweisen. Riesensterne, so berichten die Forscher im Fachblatt „Nature“, sammeln sich bevorzugt im „Kielwasser´“ der Großen Magellanschen Wolke.

„Die Lage dieser Spur der Großen Magellanschen Wolke ist in guter Übereinstimmung mit Computersimulationen, die den dynamischen Einfluss der Satellitengalaxie auf den Halo der Milchstraße berücksichtigen“, schreiben Charlie Conroy vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics im US-amerikanischen Cambridge und seine Kollegen. Außerdem konnte das Team eine Überhäufigkeit von Riesensternen am nördlichen Himmel nachweisen, die ebenfalls von den Simulationen vorhergesagt wurde.

Conroy und seine Kollegen verwendeten für ihre Untersuchung optische Daten des europäischen Astrometrie-Satelliten Gaia, sowie Infrarot-Beobachtungen des US-Weltraumteleskops WISE, dem Wide-field Infrared Survey Explorer. Durch Kombination der Datensätze identifizierten die Forscher 1301 Riesensterne im galaktischen Halo, deren Lage – weit außerhalb der galaktischen Ebene, aber noch innerhalb des Halos – sie besonders geeignet für die Suche nach Effekten durch die Große Magellansche Wolke macht. Zur Überraschung von Conroy und seinen Kollegen zeigte sich der Einfluss der Satellitengalaxie auf die Verteilung der Riesensterne deutlich stärker als erwartet. „Der Dichtekontrast ist sogar größer als in den Simulationen“, so die Forscher.

Conroy und seine Kollegen sehen in der stark ausgeprägten Spur der Großen Magellanschen Wolke ein Indiz dafür, dass diese Zwerggalaxie erst in astronomisch gesehen jüngster Vergangenheit zur Milchstraße gestoßen ist und ihren ersten Umlauf um unsere Galaxie macht. Wie die Simulationen weiter zeigen, beeinflusst die Große Magellansche Wolke nicht nur die Verteilung der Riesensterne, sondern auch ihre Geschwindigkeiten. „Unsere Auswahl von Sternen ist ideal, um jetzt auch diesen Effekt zu untersuchen“, betonen die Wissenschaftler. Aus der Form und der Stärke der Spur der Magellanschen Wolke könne man dann, so die Hoffnung des Teams, auch Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Dunklen Materie ziehen, die den Hauptanteil des galaktischen Halos ausmacht.

Bildquelle: ESO/VMC Survey

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!