Sterbender Stern mit lebensfreundlichem Planeten

Astronomen finden Hinweis auf einen Planeten in der lebensfreundlichen Zone eines Weißen Zwergs

Um den 117 Lichtjahre entfernte Weißen Zwergstern WD1054-226 kreist möglicherweise ein Planet – und das in der lebensfreundlichen Zone. Zu dieser Schlussfolgerung gelangte ein internationales Forscherteam auf Basis von Beobachtungen mit dem 3,5 Meter großen New Technology Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile, sowie dem auf die Suche nach Planeten bei anderen Sternen spezialisierten Weltraumteleskop TESS der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa. Da es sich bei WD1054-226 um einen sterbenden Stern handele, wäre der Nachweis eines Planeten in dieser Umgebung überraschend, so die Astronomen im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

„Die Möglichkeit eines Planeten in der lebensfreundlichen Zone eines Weißen Zwergs ist aufregend und unerwartet“, erläutert Jay Farihi vom University College London in Großbritannien, der das Forscherteam leitet. „Es ist allerdings wichtig zu bedenken, dass wir weitere Beweise brauchen, um die Existenz eines solchen Planeten zu bestätigen, denn wir können ihn nicht direkt beobachten.“ Farihi und seine Kollegen hoffen auf genauere Daten vom Ende 2021 gestarteten James Webb Space Telescope der Nasa, das 1,5 Millionen Kilometer von der Erde im All stationiert ist und derzeit seine Testphase durchläuft.

Wenn Sterne ähnlich unserer Sonne ihren nuklearen Energievorrat verbraucht haben, blähen sie sich zunächst zu einem Roten Riesenstern auf und kollabieren anschließend zu einem nur noch etwa erdgroßen Weißen Zwerg. Der Sonne steht diese Entwicklung in etwas fünf Milliarden Jahren bevor – und bei ihrer Aufblähung wird sie vermutlich die Planeten Merkur und Venus verschlingen – möglicherweise auch unsere Erde. Aber auch der Rest des Planetensystems gerät durcheinander, es kommt zu Bahnänderungen und Zusammenstößen. Deshalb sind viele Weiße Zwerge von Scheiben aus Staub und Planetentrümmern umgeben.

So auch WD1054-226. Doch bei ihren Beobachtungen stießen Farihi und seine Kollegen auf eine seltsame Erscheinung: Der Zwergstern wird regelmäßig alle 23 Minuten durch eine mondgroße Verdichtung in der Trümmerwolke verdunkelt. Offenbar umkreisen 65 solcher Verdichtungen in gleichmäßigen Abständen den Weißen Zwerg mit einer Umlaufzeit von 25 Stunden. Die Forscher zerbrachen sich ihre Köpfe, wie sich dieses überraschende, niemals zuvor beobachtete Phänomen erklären ließe. Die wahrscheinlichste Ursache, so ihr Schluss, ist ein größerer Planet, der seine Bahn in der Nähe zieht, so dass es zu einer Resonanz und damit zur Bildung dieser regelmäßigen Verdichtung kommt. Ähnliche Erscheinungen kennen Astronomen von den Planetenringen in unserem Sonnensystem: Auch dort können nahe „Schäfer-Monde“ zu Verdichtungen führen.

Noch spannender wird diese Erklärung dadurch, dass sowohl die Verdichtungen als auch der vermutete „Schäfer-Planet“ ihre Bahnen in der lebensfreundlichen Zone des Weißen Zwergs ziehen. So bezeichnen Astronomen jene Region um einen Stern, in der auf der Oberfläche von Himmelskörpern flüssiges Wasser existieren könnte. Und flüssiges Wasser ist nach heutigem Wissen eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung und Existenz von Leben.

Allerdings könnte auf einer so engen Umlaufbahn – nur 2,6 Millionen Kilometer vom Stern entfernt – kein Planet die Aufblähung zu einem Roten Riesenstern überstehen. Zum Vergleich: Die Erde ist 150 Millionen Kilom3ter von der Sonne entfernt. Der Planet müsse daher, so die Wissenschaftler, entweder später von weiter außen dorthin gelangt sein, oder sich sogar erst in der Trümmerscheibe gebildet haben. Bestätigt sich die Entdeckung, würde dies jedoch die faszinierende Möglichkeit eröffnen, dass es auch um Weiße Zwerge Leben geben könnte. Diese Zwergsterne erzeugen zwar keine Energie mehr, aber sie sind immer noch sehr heiß und kühlen nur langsam über Jahrmilliarden hinweg ab. Etwa zwei Milliarden lang, so schätzen Farihi und seine Kollegen, könnte ein Planet um WD1054-226 lebensfreundlich sein.

Bildquelle: Mark A. Garlick / markgarlick.com

Autor: Rainer KayserE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!